Mai 2022
Latent images

In der Ausstellung "Latent images" der Fotokünstlerin Brigitte Tast im Hildesheimer Kunstverein Via 113 wird nicht, wie sonst gewohnt, ein bereits fertig gestelltes künstlerisches Projekt gezeigt, sondern der Moment kurz vor der eigentlichen Arbeit daran. Das Erkunden und Suchen, das Überlegen und Ausprobieren ist hier das Thema.

Wo sollten die für das neue Buch gewünschten Fotoaufnahmen entstehen? Im wilden Palermo auf Sizilien? Auf dem elsässischen St. Odilienberg mit der Heidenmauer? Oder in der trockenen Hitze Südfrankreichs? Und wer könnte dann dort dafür fotografiert werden? Wer könnte passen und die dafür gewollte Aussage eindrücklich tragen? Und dies gern tun?

Das "Jetzt", der augenblickliche Zustand dieses "Davor", erinnert an das Arbeiten mit der analogen Fotografie. Nach dem Druck auf dem Auslöser ist das gewünschte Bild erst einmal lange nicht sichtbar. Es ist zwar bereits vorhanden, aber noch verborgen. In dem belichteten, aber nicht entwickelten Film. Und auch wenn dieser Schritt erfolgt ist, gibt es zunächst ein Negativ und noch kein fertiges Bild. Es bleibt so eine ganze Weile in der Schwebe, es schlummert. Die Ausstellung spiegelt solch eine unfertige Situation.

In "Latent images" geht es um eine geplante Publikation. Inhaltlich um Empfindungen zur Farbe "Schwarz". Ahnungen. Erinnerungen. Gefundenes. Gelesenes. Innere Debatten. Die Exponate handeln von dem komplizierten Weg durch widerspenstige Emotionen. Mit persönlichen Blicken.

"Denn mich reizt das Ungewisse.
Mich reizt das Direkte, das Anstößige, das Maßlose,
dieser Abstand zum Gewöhnlichen.

Schwarzer Samt so viel schwärzer als schwarzer Stoff.
Geheimnisvolle Unwirklichkeit.
Und die Stechpalme ist nicht irgendein Baum,
sondern Wirklichkeit mit Verlustgefahr.“ (Brigitte Tast)

Über die Farbe Schwarz hat die Künstlerin den dritten Teil einer Trilogie geplant. So ist der Parcours im Hildesheimer Kunstverein Via 113 auch eine Präsentation ihrer direkten Vorgänger-Projekte, der beiden Foto-Text-Bände "Die Hüterin des Weiß" (ISBN 978-3-88842-605-6) und "Rot in

Schwarz-Weiß" (ISBN 978-3-88842-604-9) von Brigitte Tast.
"Sie fotografiert, um bei Fotografien herauszukommen; und sie strickt zugleich an einem Netzwerk von Daten und Bezügen, das auf die Biographien derer begründet ist, die sie fotografiert, und den Begegnungen mit ihnen einen Sinn zuweist. [...]

Im Prinzip ist Brigitte Tast eine vorsichtige, vielleicht sogar eine schüchterne Fotografin, und in sofern unberührt von den dreisten Moden unserer Zeit. Sie sucht in ihren Figuren ein alter ego, ein zweites Selbst. Es geht um die Disposition dieser Figuren, nicht um deren Einzigartigkeit oder Schönheit. Sie bewegen sich zwischen zwei Polen: der Verschleierung und einem autoerotischen Tanz." (Ulf Erdmann Ziegler, Frankfurt a.M.)

Eröffnung Teil 3 Freitag 5.11 18:30 Kunstverein Via113
kleine Venedig 1a 31134 Hildesheim 01631733715
Einführung D. Schürer mit Familie

Karin Kontny, deren Texte unter anderem seitens des Deutschen Literaturarchivs im Rahmen von „Literatur im Netz“ als Beispiel ausgewählter, neuerer deutschsprachiger Literatur gesammelt werden, wird sich als Zweite im Bunde mit ihrer Flagge präsentieren - in Kooperation mit dem Berliner Fotografen Max Eicke
„Wer hat weggesehen? Wer hat begriffen, was da geschieht? Wer hat seine Hand nach den Mitmenschen ausgestreckt und Hilfe angeboten?“, lauteten unter anderem die Fragen, die sich Kontny im Rahmen ihrer Arbeit stellte. Auf ihrer Flagge spiegeln sie sich nicht nur in der Textzeile „Und die Welt wirft Wellen./Frag dich/ Warum“, sondern auch im Bild der unterhalb der unterhalb der Wurzel mit einem Fragezeichen tätowierten Hand wider – übrigens der des Fotografen Max Eicke. Für Autorin Karin Kontny nimmt diese Hand eine tragende Rolle ein, denn Handabdrücke finden sich nicht nur in den frühesten Höhlenmalereien und spielen zu allen Zeiten für die Darstellung von Menschen in Malerei und Plastik eine zentrale Rolle. „Im Porträt charakterisieren sie den Dargestellten fast so wie das Gesicht“, so Karin Kontny.
Nicht nur im Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist das von größter Wichtigkeit.
Der pädagogische Dienst des Kunstvereins Via113bietet die Fahnen des Projekts Interessierten für ihren (privaten) Fahnenmast an.
Die Stadt Hildesheim sowie das Land Niedersachsen fördern das Projekt

"Brigitte Tast ist Fotografin. Wenn man sie bei der Arbeit sieht, könnte man denken, dass sie mit einer Kamera geboren worden ist. Sie macht das mit Leib und Seele. Viel Seele. Aber eben auch Leib.

Leib und Seele. Dieses Buch hat hochriskante Aufnahmen." (Strandgut, Frankfurt a.M.)